Die letzten Tage

Wie die Zeit vergeht. Irgendwie viel zu schnell wenn ich auf die letzten 18 Wochen zurückblicke. Viel habe ich erlebt und gesehen. Mit neuen Eindrücken und Erfahrungen werde ich in fünf Tagen meine Heimreise antreten. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich wieder nach Hause zu kommen. Freunde, Familie und vieles mehr – meine Heimat eben. Auf der anderen Seite habe ich mich hier sehr gut eingelebt und es gefällt mir nach wie vor. Ginge es nach mir, könnte ich ruhig noch einige Monate hier aushalten. Natürlich vermisst man einige Dinge. Schon vor allem deswegen, weil man nicht alles im Flugzeug mitnehmen kann. Aber selbst wenn, das Leben hier hat Vor- und Nachteile. Was ich auf jeden Fall vermissen werde, ist das schöne Wetter. Seit meiner Ankunft hat es an etwa 14 Tagen wolkiges bis regnerisches Wetter gegeben. Die restliche Zeit meist klarer Himmel und Sonnenschein. Einfach super! Alleine schon deswegen könnte ich mir ein Leben in Namibia durchaus vorstellen. Aber soweit ist’s noch lange nicht, erst mal zurück nach Deutschland.
Bevor sich meine Zeit in Namibia dem Ende zuneigt, werfe ich einen ganzen Schwung Bilder in die Runde – von den vergangenen drei Wochenenden. Einen Roman dazu spare ich mir, in wenigen Tagen kann ich das jeden vom euch erzählen. Wer halt interessiert ist, versteht sich.

Angefangen mit dem Wochenende vom 05. – 07. Juni! Zusammen mit unserem Presenter Hans war ich in Kalkfeld, Tsumeb und Grootfontein. Workshops wie eh und je. Lediglich am Samstag habe ich einen kleinen Ausflug zum Lake Oshikoto gemacht, ganz in der Nähe von Tsumeb. Die Schutztruppe soll damals fein säuberlich ihr militärisches Gerät in diesem See versenkt haben. Im Museum von Tsumeb hätte man das herausgezogene Waffenarsenal und sonstiges anschauen können. Das war aber leider geschlossen. Genauso wie das Museum in Grootfontein. Schade eigentlich, aber was soll man machen.

Am darauffolgenden Wochenende war ich am Hardap Damm, den größten Staudamm in Namibia. Der Damm wurde 1963 fertiggestellt. Er misst eine Länge von 860m, eine Höhe von 40m und staut auf eine Länge von 30km. Der Stausee ist geradezu ideal um mit einem Boot zu cruisen und nach wilden Tieren Ausschau zu halten oder einfach nur ein Sonnenbad zu nehmen. Genau das haben wir ausgiebig gemacht! Die Mitfahrt auf einem Sea-Doo (Jetski) war natürlich ziemlich geil. Vor allem wenn man noch nie Motorrad gefahren ist. Ist ja fast dasselbe, nur eben auf Wasser und ein wenig andere Lenkung.

Und wer hätte es gedacht. Das vergangene Wochenende habe ich tatsächlich dazu hergenommen, um nochmal in den Etosha National Park zu fahren. Zusammen mit meiner Kollegin Tina sind wir am Freitag nach der Arbeit aufgebrochen. Diesmal hatte ich definitiv mehr Glück: Löwen, eine Herde Elefanten und sogar Nashörner. Von den letzteren habe ich leider kein Bild, da sie erst zu später Stunde ans Wasserloch kamen. Nach Bier und Wein hatte ich nicht so die Lust auf Fotografieren, verzeiht mir!

Tag 1 – Von frühmorgens 7.30 Uhr bis zum Sonnenuntergang um 17.18 Uhr. Dann schließen nämlich die Tore. Und wir waren wirklich just in time, puh!

Tag 2 – Diesmal hatten wir es sogar ein wenig früher geschafft, um kurz nach 7 Uhr waren wir unterwegs. Das hatte sich gelohnt – wegen den Löwen! Um 15.00 Uhr ging es dann auf den Heimweg nach Windhoek. Sind ja schließlich ca. 500-600km.

Die letzten Tage werde ich ganz gemütlich angehen lassen. Einkaufen, ein paar Fotos von Windhoek schießen, noch mehrere Male lecker Essen gehen und eventuell ein weiterer game drive auf einer Lodge. Mal sehen, noch habe ich ja fünf Tage. Langweilig wird’s mir bestimmt nicht. Insofern sage ich schon mal Tschüss, Servus und bis in spätestens einer Woche!!!

Ab nach Rundu

in den äußersten Norden Namibias. Gelegen am Okavango, der Grenzfluss zu Angola, ist Rundu mit geschätzten 72000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt. Jedoch kein Vergleich mit der Hauptstadt Namibias. Während Windhoek als Wirtschaftszentrum mitunter sehr europäisch geprägt ist, spielen in Rundu vielmehr die Landwirtschaft, Fischerei und Holzschnitzerei die bedeutendsten Rollen.

Der Grund unseres Besuches waren drei Workshops zweier Parteien, vom 22.-24. Mai. Aufgrund der Entfernung (in etwa 750km von Windhoek) mussten wir uns schon einen Tag eher auf den Weg begeben. An Board einer unserer Presenter, Hans, und meine Kollegin Tina. Ganz gemütlich und ohne viel Stress sind wir dann zu unserem Wochenendtrip in den Norden am Donnerstagmorgen gestartet. Die Strecke bis nach Otavi kannte ich schon, der halbe Weg wäre geschafft. Nächster Halt: Hoba, kurz vor Grootfontein. Wenn man schon so weit fährt, macht es auch keinen Unterschied mehr dem wohl größten, je auf der Welt gefundenen Meterioten Hoba einen Besuch abzustatten. Vor ca. 80000 Jahren soll der etwa 50-60t schwere Meteorit auf der Erde eingeschlagen sein. Sein Alter wird auf mehrere hunderte Million Jahre geschätzt und besteht hauptsächlich aus Eisen und Nickel.


Von Grootfontein waren es nur mehr 250km bis nach Rundu. Auf ungefähr halben Weg betraten wir die Kavango Region, hier endete das kommerzielle Farmland. Ab sofort galt: Tiere haben Vorfahrt. Die Asphaltstraße ist mittlerweile in einem guten Zustand im Vergleich zu den Jahren zuvor. Somit konnte man problemlos mit den erlaubten 120km/h fahren. Dennoch sollte man immer auf der Hut vor Ziegenböcken, Kühen oder sonstigen Tieren sein, die mit aller Seelenruhe über die Straßen schlenderten. African Time, you know…! Und sollte ein Vieh urplötzlich über die Straße flitzen wollen, waren die kleinen Kinder mit Holzprügel zur Stelle und haben das Tier wieder auf den richtigen Weg gewiesen. Zwar nicht gerade sanft, aber effektiv. Dass wohl hauptsächlich kleinere Kinder nach dem Vieh gesehen haben – ich schätze mal vier bis zehn Jahre alt – liegt wohl an der sozialen Struktur in dieser Gegend. Nicht zuletzt wird der Straßenrand von unzähligen Kraalen geschmückt, oftmals hinter der ersten Busch-/Baumreihe versteckt. Während man im übrigen Namibia vergeblich nach „richtig“ afrikanischen Behausungen sucht, wird man hier fündig. Der Kraal – eine traditionell afrikanische Siedlungsform, in der Regel kreisförmig und von einer Holzpalisade umgeben. Innerhalb findet man Holz-/Lehm-/Strohhütten für die Familie und ein Gehege für das Vieh. Oftmals war auch schon ein Stromanschluss vorhanden. Das wundert mich aber nicht, schließlich besitzt der Großteil ein Handy und muss ja irgendwie sein Gerät aufladen. Irgendwie war es schon ein komisches Gefühl mit dem Auto an den Siedlungen vorbeizufahren. Selbst sitzt man in einen modernen Gefährt und ein paar Meter weiter wird Material mit einem Eselkarren transportiert. Hier spielt sich das Leben noch auf eine andere Art und Weise ab, keine Frage. Dennoch bekommt man definitiv einen anderen Eindruck, als wenn man bisher nur in den Medien über Afrika gelesen oder gesehen hat.

Eine lange Fahrt ging dem Ende zu und so kamen wir schließlich nach Einbruch der Dunkelheit in Rundu an. Die Suche nach unserer Lodge, direkt am Okavango gelegen, war nicht weiter schwierig. Im ersten Moment kamen zwar Zweifel auf, weil die Sandstraße ziemlich schlecht war, unbeleuchtet und irgendwie ins Nichts zu führen schien. Jedoch kam nach etwa 15 Minuten die Erleuchtung – die Sarusungu Lodge. Den schlechten Zustand des Weges erklärte man uns wegen des Hochwasser im März und April. Darunter litt auch die Lodge selbst, die für über einen Monat zwecks Reparaturarbeiten geschlossen werden musste. Letzten Endes waren wir alle von der Autofahrt geschafft und das Bett ließ an diesem Abend nicht länger auf sich warten.

Gut geschlafen und erholt, erst einmal zum Frühstücksbuffet. Im Anschluß packten wir alles Notwendige ins Auto und fuhren zu dem Venue für den Workshop, gleich die nächste Lodge die Straße rauf. Schnell alles hergerichtet damit Hans mit der Präsentation loslegen konnte, die Teilnehmer waren inzwischen auch eingetroffen. Unser Part war für den Tag soweit erledigt. Hans hat uns für den restlichen Tag frei gegeben um ein wenig die Gegend erkunden zu können. Das haben wir genutzt und sind in Richtung Caprivi aufgebrochen, unser Ziel: Mahango Park, ca. 200km entfernt. Auf dem Weg lagen auch die Popa Falls, nur ein paar Kilometer vor dem Game Park. Die Popa Falls haben sich allerdings eher als Stromschnellen herausgestellt als irgendeine Art von Wasserfällen. Weniger spektakulär, sei’s drum! Der Mahango Park hatte auf jeden Fall mehr versprochen, vor allem nach den Berichten der Touristen, die wir am Vorabend in der Lodge angetroffen haben. Große Büffelherden, Löwen, Elefanten, Hippos – so ziemlich alles was es zu sehen gibt, sollen sie gesehen haben. Na wenn das nicht mal Hoffnung aufkommen lässt? Die Realität sah leider nicht ganz so rosig aus. Ok, ganze vier Elefanten haben wir gesehen, aber weder Büffel noch Löwe noch Hippo. Mal ausgenommen von den unzähligen Antilopen, die man überall im ganzen Land zu Gesicht bekommt. Immerhin, wenigstens ein paar Elefanten gesehen. Es lag wahrscheinlich an der unpassenden Zeit – Mittags – zu der wir den Park besucht haben. Wäre man in der Früh gekommen, hätte man bestimmt mehr Glück gehabt. Wäre, hätte – dabei bleibts aber auch. Trotz alledem war es ein schöner Ausflug. Gerade auch deswegen, weil wir ein Stück im Caprivi-Zipfel waren.


Zurück in unsere Lodge am frühen Abend, ließen wir den Tag in gemütlicher Runde ausklingen. Wie uns Hans erzählte, hätten wir im Grunde genommen gar nichts verpasst. Der Kurs war anscheinend nicht so erfolgreich. Die Teilnehmer waren anscheinend nicht in der Lage ein Catering zu organisieren. Und das schien deren größte Sorge zu sein. Schon irgendwie traurig. Erst recht, wenn ich es im Vergleich zu den vorherigen Workshops betrachte. Ich erinnere nur an den Ziegenbock, der geschlachtet wurde. So einfach hätte es gehen können, aber ne.

Neuer Tag, neues Glück. Heute waren wir bei dem Workshop mit von der Partie, mittendrin statt nur dabei. Jedoch mussten wir erstmal das Venue suchen. Die Suche gestaltete sich etwas schwierig, Straßennamen gibt es in Rundu nicht. Deshalb mussten wir immer wieder unsere Kontaktperson mit dem Handy anrufen und uns die Anfahrt anhand von irgendwelchen Gebäuden oder markanten Punkten erklären lassen. Spätestens nachdem eine Person winkend am Straßenrand, mit dem Handy telefonierend in unsere Richtung blickte, war die Location gefunden. Zu aller Überraschung waren die Kursteilnehmer noch überpünktlich. Hallo? Wir sind hier doch in Afrika, african time? Na gut, das zeugte von einer motivierten Gruppe. So soll es dann auch gewesen sein. Eine aktive, interessierte und engagierte Gruppe. Committed members, wie man so schön sagt. Nachdem Hans der Workshop am Vortag schon fast gestunken hat, sah es hier ganz anders aus. Selbst das Catering stellte kein Problem dar, zwei coffee breaks und eine lunch time, alles überpünklichst organisiert. Zu unserer Freude gabs Mahango pap mit wahlweise Ziege oder Huhn, ein ganz einheimisches und klassisches Essen. Gegen vier Uhr war Teil 1 des Kurses geschafft, mehr folgte am nächsten Tag. Den Abend verbrachten wir abermals in der Lodge. Nach dem ein oder anderen Gin Tonic – soll ja gegen Moskitos helfen, weil Rundu=Malariagebiet – vergnügten wir uns mit unzähligen Runden Billiard. Auf jeden Fall ist es doch etwas später geworden und am nächsten Morgen wollte keiner von uns gerne aufstehen. Dagegen war nichts zu machen. Raus aus den Federn und schnell Frühstücken. Schließlich warteten die participants schon ganz ungeduldig auf die Fortsetzung des Kurses. Ehrlich gesagt hat mich es gewundert, dass selbst am Sonntag alle erschienen sind. Von vergangenen Workshops war ich anderes gewohnt. Gläubig waren sie dennoch, wie man unschwer am Gebet vor und nach dem Kurs merkte. Nach der obligatorischen Schlacht um die Bücher – ja, in diesem Moment haben glaub die Meisten vergessen, dass sie in einer Partei sind und eigentlich zusammenarbeiten?! – neigte sich nicht nur der Workshop, sondern zugleich das Wochenende einem Ende mit positivem Fazit zu. Als Krönung buchten wir für diesen Abend einen Sundowner Bootstrip auf dem Okavango. Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Besonders bei einem Bild genau hinsehen, Krokodil im Gebüsch!


Zum Abschied mussten wir natürlich nochmal einige Runden Billiard einlegen. Zu unserem Schock war plötzlich der Gin alle und das letzte Tafel Lager ging über den Tisch. Wenn man bedenkt, dass wir am nächsten Tag wieder zurück nach Windhoek fahren mussten, war das nicht weiter schlimm. Schweren Herzens war der Abschied am nächsten Morgen, waren es zweifellos vier wirklich schöne Abende in der Sarusungu Lodge. Die kann auf alle Fälle weiterempfehlen. Bevor wir uns endgültig auf die lange Rückfahrt antraten, sollten wir noch ein neues Büro von einem unserer Partner ansehen. Mit der Wegfindung war das wieder so eine Sache, mehr herumgeirrt als mit einem Ziel vor Augen. Selbst die Einwohner wussten manchmal nicht so recht Bescheid. Also wieder telefonieren und irgendwann haben wir das noch im Bau befindliche Office gefunden. Auftrag ausgeführt, jetzt aber ab nach Hause. Am späten Abend sind wir schließlich sicher in Windhoek angekommen.

Und wenn sich nun einer fragt, was ich die Woche vor/nach dem Wochenende in Rundu getrieben habe, bitte:

Die Woche zuvor: Man kann es fast ahnen! Ich war natürlich im Büro und bin meinen Aufgaben nachgegangen. Was sonst :)? Abends war ich  ab und zu unterwegs. Nicht vergessen: jeden Dienstagabend n bissl Sport und anschließend ins SKW zum Knobeln :D. Zudem hatte am Samstag mein landlord Geburtstag, ist etwas später geworden…

Die Woche danach: Zusammen mit Tina hab ich an dem Business Simulation Programme teilgenommen, das von unserem Partner IMLT (Institue for Management and Leadership Training angeboten wurde. Über insgesamt vier Tage wurde sowohl die Theorie als auch letztendlich die Praxis, in diesem Falle eine Simulation (entwickelt und lizenziert von deutschen Studenten), behandelt. Vorkenntnisse waren zum Glück nicht notwendig. Als relativ unwissend im Bereich Business hab ich somit ein wenig Wissen mitnehmen können, vor allem die ganzen Fachausdrücke in Englisch. Besonders die Simulation fand ich gut. Fünf Teams spielten gegeneinander. Zu Beginn konnte man sich zunächst zwischen cost und technical leadership mit seiner „Firma“ platzieren und einen Businessplan aufstellen. Im Weiteren Verlauf trat man direkt gegen die anderen Teams an, insgesamt galt es sechs Perioden zu planen (eine Periode stellte ein halbes Jahr dar). Nach jeder Periode gab es eine kleine Besprechung mit umfangreichen Diagrammen, Tabellen und alles was so dazugehört. Ich hätte es zwar nicht für möglich gehalten,  habe ich doch tatsächlich zusammen mit meinem Partner den größten Profit erwirtschaftet. Darauf will ich mir aber gar nichts einbilden, vom Business lass ich lieber trotzdem meine Finger *gg*. Am Wochenende war ich bei unserer Sekräterin, der Annegret, auf der Farm. Weil das Wild gezählt werden musste, sind wir kreuz und quer über die Farm gebrettert. Und weil Annegret fährt wie sie fährt, wars manchmal wie Achterbahn fahren, ungelogen! Schön wars allemal, zumal wir am Samstagmorgen viel Wild gesehen haben.

Was ansteht: Für dieses Wochenende sind drei Workshops im Kalender eingetragen. Freitag in Kalkfeld, Samstag in Tsumeb und Sonntag in Grootfontein. Ich bin ja mal gespannt, wie die Teilnehmer sind, ob das Catering klappt und so die üblichen Dinge eben, bla blub :)

Bis bald,

Frank

P.S.: Das war wahrscheinlich der vorletzte Eintrag, bevor es wieder in Richtung Heimat geht!

Die Affen sind los

Huch, schon Mai? So langsam geht mein Praktikum dem Ende zu. Aber daran will ich noch gar nicht denken. Die letzten Tage im April wie eh und je. In der Arbeit gab es verschiendenste Aufgabe zu erledigen. Quartalsbericht schreiben, Webseiten aktualisieren, Broschüren überarbeiten und diverse andere Aufgaben. Am Wochenende Windhoek Nightlife at its best, in Kiepies, einem ganz besonderen Schuppen. Zugegeben, die Musik war mittelmäßig und das Publikum nicht ganz so mein Fall. Vor allem weils nur Weiße, Afrikaans sprechende waren. Nun gut, so ganz stimmts nicht. Drei Schwarze schleppten palettenweise Sixpacks über die Bühne und räumten die leeren Getränke von den Tischen. Das einzige was an dem Abend half – Gin Tonic und ein Jägermeister nach dem anderen. Irgendwann um Mitternacht bin ich auf der Tanzfläche gelandet – damn it! Und es war fast abzusehen, dass ich am zweiten Abend wieder mit ins Kiepis geschleppt wurde. Was soll’s, dabei sein ist alles. Schließlich will ich soviel von Land und Leute sehen wie nur möglich.

Während in Deutschland der 1. Mai gefeiert wird, der Liebsten ein Maibaum gestellt oder Gartentüren verzogen werden , trafen wir die letzten Vorbereitungen für unseren 9-tägigen Campingausflag nach Richtersveld.

Freitag am frühen Morgen, auf geht’s! Von Windhoek über den Kupferberg Pass mit Halt in Solitaire. Zur Einstimmung ein rießiges Stück Apfelkuchen, sehr lecker!

Es war nicht mehr weit bis Hochabfontein, unser erster Campingplatz, etwa 30km von Sesriem entfernt.

Von dort aus nach Sossuvlei.

Anschließend zum Sesriem Canyon.

Der wohl schönste Campingplatz – Namtib!

Nächster Halt, die Geisterstadt Kolmannskuppe bei Lüderitz.

Ganz in der Nähe, Diaz Point an der Atlantikküste. Wegen des Feiertages war Lüderitz leider wie ausgestorben, nicht einmal Museen hatten geöffnet.

Deshalb fuhren wir zurück nach Aus zum kampieren.

Am nächsten Tag ging es über die Grenze nach Eksteenfontein, mitten im Richtersveld National Park in Südafrika.

In Sendlingsdrift verbrachten wir zwei Tage in einem Chalet am Oranje, ganz zur Freude der Affen.

Zum Abschluss der Tour fuhren wir nach Fish River Canyon.

Routine kehrt ein

Mit einem kleinen Nachtrag meld ich mich zurück aus Windhoek. Ursprünglich wollte ich dem letzten Beitrag noch etwas hinzufügen. Ich habe mich aber dazu entschieden, es dem nächsten anzuhängen. Deshalb beginne ich diesen Eintrag mit der ersten Aprilwoche.

Jene Woche brachte ein Novum mit sich. Erstmals wurde die HSF von der namibischen Polizei eingeladen, um über verschiedenste Themen (vorwiegend „organisational skills“) zu referieren. Die Zielgruppe bildeten mittlere bis höhere Beamte aus fast allen 13 Regionen Namibias. Somit war ich mit unseren Trainern von Montag bis Freitag im Israel Patrick Iyambo Police College in Windhoek vor Ort. Ich habe mir sagen lassen, dass diese Einrichtung erst vor ein paar Jahren von Chinesen errichtet wurde. Wenn man das nicht an den bereits zahlreich vorhandenen Baumängeln vermutet hätte. Jedenfalls hat man nicht nur in Europa mit den Chinesen zu kämpfen. Es fällt selbst einem namibischen Bauunternehmer schwer, einen Stundenlohn von 2 N$ (nicht einmal 20 € cent) zu unterbieten. Um wieder auf das Wesentliche zurückzukommen … die Kursteilnehmer waren die Besten, die ich bisher erleben durfte! Eine aktive, humorvolle, wissensdurstige und intellektuelle Gruppe. Solche Teilnehmer hätte ich mir in manch anderen Seminaren gewünscht. Man musste nicht das Gefühl haben vor dem Kurs einen Monolog zu führen. Ganz im Gegenteil, die Teilnehmer haben sich oft und gerne geäußert und obendrein Probleme innerhalb der Police Force geschildert. Das war insofern von Bedeutung, da man den jeweiligen Kurs individuell an die Wünsche und Bedürfnisse der Beamten anpassen konnte. Insgesamt eine rundum sehr gelungene Seminarwoche mit durchweg positiver Resonanz. Ich kann nur hoffen, demnächst wieder einen oder mehrere Kurse für die Polizisten organisieren zu dürfen. Lachen musste ich, als ich dabei war die Evaluierungsbögen einzusammeln und gefragt wurde ob ich nicht selbst einmal einen Kurs halten könnte. Sie würden doch gerne meine Stimme hören! Ja, das waren schon ein paar Spaßvögel :-)

Das Wochenende war recht entspannend. Endlich ausschlafen, wie ich das die letzten Wochen vermisst habe. Einfach bis um 11 Uhr schlummern, ach wie schön. Am Samstagabend hat mich mein Chef zum Grillen eingeladen, da hab ich natürlich nicht nein gesagt. Ferner wurde am Sonntag die Zeit umgestellt, jedoch eine Stunde zurück. Das heisst, dass es jetzt relativ früh dunkel wird. Bereits gegen 18 Uhr verschwindet die Sonne am Horizont. Allmählich kommt der Winter, man merkt es. Ansonsten konnte ich noch ein paar Kleinigkeiten erledigen und war somit das Wochenende über beschäftigt. Der Kühlschrank füllt sich ja leider nicht von selbst …

Alltag erfüllte die darauffolgende Woche, jedoch eine kurze Woche. Ostern stand unmittelbar vor der Tür und schenkte mir ein verlängertes Wochenende, juhu! Diese Gelegenheit nutzte ich um an die Küste zu fahren. Am Freitagvormittag gings in Richtung Okahandja, von dort aus weiter über Karibib und Usakos nach Swakopmund. Die bösen Cops haben uns kurz nach Windhoek mit ihrer Speedpistol rausgezogen, ein paar km/h zu schnell gefahren. Ich bin nicht gefahren, um das mal klarzustellen. Sondern lediglich bei jemanden mitgefahren. Die Strafe über 125 N$ war zu verkraften (etwa 10 €). An dieser Stelle will ich nicht den Namen einer gewissen Organisation erwähnen, die auf den genialen Einfall kam, den Polizisten noch mehr von diesen Speedpistols zu schenken. Wie auch immer, am frühen Nachmittag kamen wir sicher und ohne weitere Strafzettel in Swakopmund an. Mein Fahrer hat mich bei meinem Hotel abgesetzt, unterwegs war ich schließlich alleine. Am Nachmittag hab ich mich erstmal ein wenig in Swakopmund und vor allem am Strand umgesehen und das schöne Wetter bei herrlichem Blick auf den Atlantik genossen. Pünktlich zum Abendessen begab ich mich allmählich auf den Weg ins Tiger Reef. Eine stylische, auf den Sand gebaute Beach Bar direkt am Strand. Ein wahrlich feuchtfröhlicher Abend. Mein Müsli am nächsten Morgen habe ich mehr angestarrt als ausgelöffelt, so richtig Hunger hatte ich nicht. Insider wissen, was das heisst ;). Der Tag war somit halbwegs gelaufen, fast jedenfalls. Kurz vor Sonnenuntergang zog ich mit meiner Kamera los um diesen schönen Moment festzuhalten. Und einen erneuten Besuch in der Beach Bar lies ich mir nicht nehmen. Bis dahin war ich schon wieder fit! Diesmal ging ich die Sache aber etwas langsamer an und lernte bei geselliger Wasserpfeiffenrunde viele neue Leute kennen.

Am Ostersonntag hab ich beim Frühstücksbuffet gleich doppelt zugelangt, kein Vergleich zum Vortag. Schließlich galt es ja einiges nachzuholen. Dabei durfte natürlich ein bunt bemaltes Osterei nicht fehlen. Auf dem Tagesprogramm stand der Besuch des Museum von Swakopmund und ein kleiner Abstecher ins Meeres Aquarium. Zum Festmahl gabs frische, leckere Calamari. Wenn man schon an der Küste ist, kann man wenigstens Fisch essen, dachte ich. Am späten Nachmittag hab ich ein erfrischendes Bad im kalten, rauen Atlantik genommen. Zum Schwimmen waren die Wellen jedoch zu hoch. Und wer hätte es gedacht, abermals verbrachte ich den Abend bei einem schönen Sonnenuntergang in der Beach Bar. Trotz allem musste ich am nächsten Morgen früh raus weil ich vor folgendes Problem gestellt wurde: Mein Fahrer ist schon frühzeitig am Sonntagabend zurück nach Windhoek gefahren. Da sein Handy kaputt war, konnte er mich nicht erreichen. Selbst die Telefonzellen wollten nicht funktionieren. An meiner Zimmertür fand ich wenigstens einen Zettel, auf dem er mir das mitgeteilt hat. Blöd gelaufen, sag ich mal. Aber das änderte nichts daran, dass ich nun irgendwie eine Mitfahrgelegenheit nach Windhoek suchen musste. Zunächst habe ich die Abreisenden im Hotel befragt, Fehlanzeige. Mir wurde dann empfohlen bei Shuttel Diensten anzurufen. Gesagt, getan. Die waren alle ausgebucht und zudem schon frühmorgens um 7 Uhr abgefahren. Na toll, dachte ich mir. Die letzte Möglichkeit, die man mir empfohlen hatte, war, auf den Mainliner zu warten – ein täglich verkehrender Bus zwischen Swakopmund und Windhoek. Die Aussichten auf einen Platz waren gering. Da noch bis 13 Uhr Zeit war, konnte ich in aller Ruhe durch Swakopmund spazieren und ein paar Fotos machen. Meine Idee, frühzeitig an der Haltestelle zu sein, hat sich dann ausbezahlt. Der Bus war eigentlich schon ausgebucht. Mein Argument zwei Stunden in der Mittagshitze hier gewartet zu haben war überzeugend. So hab ich einen eigentlich nicht vorhandenen Platz vorne beim Personal ergattern können, sozusagen in erster Reihe. Nach etwa fünf Stunden Fahrt bin ich am frühen Abend in Windhoek angekommen.

Vergangene Woche ist nichts besonderes geschehen, Alltag wie eh und je. Am Dienstagabend wie üblich Sport und am Mittwoch war noch Entwicklungshelferstammtisch. Das Wochenende hatte ich frei und konnte somit endlich mal zum Shoppen gehen. Zugegeben, mein Plan ist nicht ganz aufgegangen wie ich wollte. Gestern bin ich erst kurz nach Mittag Richtung Maerua Mall (DIE Einkaufsmeile in Windhoek) losgezogen. Nur blöd, dass die meisten Läden bereits um 13/14 Uhr geschlossen haben. Argh, wo gibt’s denn sowas … wieso schließen die am Samstag so früh? Andererseits haben die meisten Läden auch Sonntags geöffnet, zu den selben Uhrzeiten. Also hab ich mich heute etwas früher aus dem Bett bequemen müssen. An die Ladenöffnungszeiten muss ich mich definitiv erst gewöhnen.

Der nächste Bericht folgt bald, in schätzungsweise drei Wochen. Bis dahin,

Frank

Der Sonne entgegen

Fünf Tage, vier Kurse, dreimal Ziegenbock, zwei Orte und einmal wären wir fast im Sand stecken geblieben. So in etwa könnte man die vergangenen Kurse in Otjinene und Walvisbay beschreiben. Am späten Mittwoch Nachmittag, den 25. März, fuhren wir zunächst nach Otjinene, 250km nordöstlich von Windhoek. Ein Großteil davon auf Pad. Weit und breit kaum eine Spur von Zivilisation, in etwa alle halbe Stunde kam uns ein Auto entgegen. Irgendwie schön, stundenlang in einer so unberührten Landschaft und menschenleeren Gegend umherzufahren. Völlig ungewohnt für mich, einen Mitteleuropäer. Jedenfalls kamen wir rechtzeitig vor Sonnenuntergang in unserer „at least 5 stars“ Unterkunft Kaumbangere an, ein paar Kilometer vor Otjinene. Freundlich wurden wir von Billy in Empfang genommen, dem Manager sozusagen. Zum ersten Mal eine „Lodge“, die ein wenig afrikanisch war. Zum Trinken gabs nur „fruit juice, we only have fruit juice“. Na gut, daran kann Billy mit Sicherheit noch arbeiten. Abhilfe gabs in einem Store in Otjinene, endlich ein kühles Bier, der Abend war gerettet. Bevor es dann endgültig ins Bett ging, noch ein kurzer Blick auf die Sterne. Man konnte tatsächlich die Milchstraße klar und deutlich sehen, für mich ein Novum. Jedenfalls hab ich bei uns noch nie die Milchstraße nachts am Himmel erblicken können. Korrigiert mich, falls ihr anderer Meinung seid.

Die nächsten zwei Tage hielten wir Kurse wie z.B. „Democracy in Namibia“ für ein Jugendforum in Otjinene. Etwas erstaunt war ich, die Teilnehmer waren etwas älter als ich gedacht habe. Ich lies mir aber erklären, dass unter dem Begriff Jugend Personen im Alter zwischen 18-35 Jahren gemeint sind. Na gut, dann akzeptier ich das halt so. Besonders erwähnen muss ich noch die Organisatorin des Kurses, Aquilla. Sie wusste anscheinend mit Geld umzugehen. Zum Essen wurde kurzerhand ein Ziegenbock vor dem Haus geschlachtet. Für 300 N$ (etwa 25 €) genug Fleisch für zwei Tage und alle Kursteilnehmer. Na wenn sich das nicht mal für die liebe Aquilla gerechnet hat ;).

Am Freitagnachmittag, unmittelbar nach dem Kursende in Otjinene, brachen wir nach Walvisbay auf. Etwa 550km galt es an diesem Tag noch zu bewältigen. Den ersten Teil der Strecke fuhr Hans, den restlichen ich.Und damit direkt gegen die Sonne. Der Sonnenuntergang war zum Ansehen zwar ganz nett, der Himmel färbte sich langsam rot. Doch zum Fahren war das, trotz Sonnenbrille, sehr bescheiden. Fahren nach Gefühl war wieder angesagt *gg*. Bald aber verschwand die Sonne am Horizont und die letzten Kilometer durch die Wüste waren kein Problem. Nach einem kurzen Abstecher in Swakopmund, zum Essen natürlich, kamen wir dann sicher in Walvisbay am späten Abend an. An den darauffolgenden zwei Tagen standen wieder Kurse auf dem Tagesprogramm, diesmal für eine Partei. Das Kursniveau war deutlich höher als bislang und die Gruppe insgesamt hat mir persönlich ziemlich gut gefallen. Engagierte, junge Leute die eine Veränderung in der Politik Namibia’s erreichen wollen.

Nach so viel politischem Talk darf die Phase der Erholung natürlich nicht zu kurz kommen. Da bot der Ausflug zur Düne 7 eine willkommene Abwechslung. Wüste, in meinen Augen ein rießengroßer Sandkasten. Doch der Sand ist unberechenbar, wären wir doch fast auf dem Weg zu dieser berühmten Düne 7 im Sand stecken geblieben. Zum Glück fährt Hans ein kleines, leichtes Auto und ich konnte es mit letzter Kraft aus dem Sand schieben. Dann wäre da noch die Düne an sich. Von unten sah das ganze relativ einfach aus. Die ersten Schritte waren auch schnell gemacht, Barfuß natürlich. Mit der Zeit merkt man, was Sache ist. Vier Schritte nach vorne, drei Schritte zurück. Schließlich bin ich nach einiger Zeit oben angekommen und von Einheimischen mit einer Gipfelhalben empfangen worden … Erste Hilfe für den erschöpften Frank ^^. Die Anstrengung hatte sich gelohnt, ich wurde mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt.

Nach abschließendem Gruppenfoto in Walvisbay ging es am späten Sonntagnachmittag wieder zurück nach Windhoek.

Bis zum nächsten Bericht,

Frank

Elefanten auf 12 Uhr !

Mit etwas Verspätung melde ich mich mit meinem wöchentlichen Bericht *hust* zurück. Das mit dem wöchentlich konnte ich leider nicht einhalten, aber besser spät als nie. Die letzten zwei Wochen waren im Vergleich zu vorher etwas ruhiger. Mal sehen was meine Erinnerungen so hergeben, fangen wir mal an …

Woche 3

Von Montag bis Freitag war ich in meinen Büros (Ja, ich habe gleich zwei) bei der HSS. Wer sich jetzt fragt, was ich eigentlich dort den ganzen Tag treibe, dem möchte ich das mal an dieser Stelle erläutern.

Meine Hauptaufgabe besteht darin, bei der Organisation & Planung von Seminaren zu helfen. Dazu zählt das Erstellen/Bearbeiten/Ausdrucken von Handouts, Handbooks, Worksheets, Powerpoint Präsentationen, Broschüren. Des weiteren schaue ich, dass die Unterlagen zu den jeweiligen Kursen beisammen und auf dem neuesten Stand sind. Nachdem ich so Formatierungs-Geil bin, vergehe ich mich gerade an sämtlichen Powerpoint Präsentationen und verpasse denen ein schöneres Layout. Manche Leute scheinen einfach kein Auge für ein gutes Layout zu haben. Und natürlich begleite ich unsere Trainer als Assisstent mit zu den Seminaren. Einmal durfte ich sogar ein wenig über die Arbeit der Jungen Union bei uns im Ort erzählen. Falls ich mal mit der Arbeit rund um die Seminare fertig bin, was aber bisher nicht der Fall war, ist und auch sein wird, arbeite ich für das IMLT (Institute for Management and Leadership Training), ein Partner der HSS. Aber weil eben alles ist wie es ist, springe ich täglich von einem Büro ins andere und wieder zurück. Beim IMLT kümmere ich mich um den Satz & Layout von Broschüren, Pflege von Webseiten und sowas. Mit mir kann man das eben machen, jung und dynamisch ^^. Soweit zu meiner Arbeit.

Abends war ich dann meistens  unterwegs. Beim abendlichen Festakt zum 100-Jährigen Jubiläum der Deutschen Höheren Privatschule in Windhoek (DHPS). Beim Fußball spielen und anschließend in der Kneipe. Zum Essen beim Inder. Beim Stammtisch von ein paar Bekannten. Oder auch einfach mal „zu Hause“.

Am Wochenende hatte ich quasi frei. Samstags war ich erstmal zum Brunchen bei der DHPS, das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Nachmittags nahm mich Hans (einer unserer Trainer) mit zu einer Veranstaltung vom Traditionsverein. Hier begegneten mir ein paar Personen, welche mit ihren Gedankengut offensichtlich in einer anderen Zeit hängengeblieben sind. Mehr will ich dazu nicht sagen. Ansonsten ein schöner Nachmittag, v.a. der Auftritt der Mädls von der Meerdorfer Musikschule war ganz nett. Abends durfte ich ein wenig Nightlife schnuppern, als ich mit einer Bekannten in der Weinbar und im El Cubano war.

Der Abschluss der Woche sollte besonders werden. Denn was kann man sich schöneres vorstellen als eine Farm Rundfahrt an einem sonnigen, warmen Sonntag? Richtig, einen ordentlichen Sonnenbrand den Tag darauf… aber der war es wert. Mit einem alten Toyota, etwas modifiziert damit man hinten drauf sitzen konnte, ging es über Stock und Stein. Ein platter Reifen mitten im Busch war inklusive. Unterschätzt habe ich unser Gefährt allemal, an manchen Passagen hätte ich einen Unimog für angebracht gehalten. Doch das Ungetüm hat sich überall durchgebissen. Hier müssen Autos noch richtig was aushalten. Das Beste war auch noch, als uns die Fahrerin auf irgendwelche Tiere aufmerksam machen wollte. Mit einer Hand hielt ich mich irgendwie fest, in der anderen Hand meine kiloschwere Kamera. Donnern wir voll in ein Schlagloch, ich kurz vorm Abheben, legt sie ne Vollbremsung rein. „Habt ihr nicht gesehen, da war was am Boden… Nicht gesehen?“! Ja ne, is klar ;). Alles in allem eine erlebnisreiche Fahrt, neben den Tieren und der schönen Landschaft.

Woche 4

Das übliche Tagesprogramm. Abends habe ich mich im Angesicht meiner rötlichen Färbung etwas geschont. Im Übrigen hab ich mal die alltäglichen Dinge wie Putzen, Einkaufen usw. erledigt. Muss ja schließlich auch gemacht werden. Am Mittwoch gabs dann ein kleinen Zwischenfall in der Wohnung. Bereits am Vorabend hatte ich mich gewundert, wieso das Wasser nicht fließt. Als am nächsten Morgen noch immer kein Tropfen floss, hab ich mir auch nichts weiter dabei gedacht. Wird am Abend schon wieder funktionieren … Wie ich dann abends erfahren habe, lief das Wasser schon wieder gegen Mittag, und zwar mitten in meine Wohnung. Mein Spülkasten vom WC ist nicht von der neuesten Generation. Der hängt über der Toilette und hat noch eine schicke Kette zum ziehen, kultig das Ding. Auf jeden Fall hat sich irgendwie der Schwimmer verfangen, als das Wasser wieder kam. Und dann lief das Wasser eben über und direkt in meine Wohnung. Glücklicherweise hatte ich nichts Kostbares herumliegen und der Fußboden ist komplett aus Stein. Insofern war’s nicht schlimm, v.a. weil es mein Nebenbewohner bemerkt hat, als er mittags zu Hause war. Der wohnte zuvor in meiner Wohnung und dem passierte mal dasselbe, weshalb er sich an das Plätschern erinnerte.

Auch dieses Wochenende fanden keine Seminare statt. Deshalb konnte ich am Samstag mit jemandem auf die Jagd gehen, auf die Pirschjagd. Springböcke standen auf der Abschussliste. Den Ersten hatten wir schon nach 10 min. erlegt. Ein glatter Schuss ins Herz aus etwa 150m, schön ausgeblutet ist er zugleich. Das wird gutes Fleisch. Für den zweiten Springbock hat es dann etwas mehr Zeit in Anspruch genommen. Quer durch den Busch haben wir die Herden verfolgt, auf der Suche nach dem richtigen Kandidat, ein älteres Männchen. Es war auch immer wieder witzig den Springböcken beim rumhopsen zuzusehen, sieht einfach ulkig aus. Irgendwann war auch der Zweite Springbock gefunden und aus etwa 120m zur Strecke gebracht. Zwischendurch hätten wir fast einen Schakal erwischt, der ist er aber gerade noch rechtzeitig im hohen Gras verschwunden. Glück für ihn. Die zwei Springböcke machen jedenfalls keinen Hupfer mehr. Nach einer kleinen Mittagspause fuhren wir noch zum Vergnügen durch die Farm. Leider gab es kaum Wild zu sehen, die Tiere verkrochen sich im grünen Gebüsch. In ein paar Wochen ist Schluss mit Verstecken Spielen, dann beginnt die Trockenzeit.

Und als wenn ich nicht schon genügend Tiere gesehen hätte, besuchte ich am Sonntag zusammen mit Hans und einem Bekannten die Omaruru Game Lodge. Alle möglichen Tiere soll man da sehen. Ob sich die etwa 3 stündige Anfahrt gelohnt hat? Ich sags mal so: Wenn man bisher fast nichts gesehen hat, ja, ansonsten, nein. Jedenfalls ist das unsere Erfahrung. Deshalb war der Ausflug etwas enttäuschend. Ich hatte schwer darauf gehofft, eines der Big Five zu sehen („Die großen Fünf“: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard). Zu Beginn des Game Drives sah es gar nicht mal so schlecht aus, nach ein paar Minuten vereinzeltt Strauße, zahlreiche Antilopen und am Horizont Elefanten. Unser Fahrer war ab dem Augenblick nur mehr auf die Elefanten fixiert, der wollte die uns unbedingt zeigen. Und wir wollten auch unbedingt zu den Elefanten. Also fuhren wir los, um den Spuren der Elefanten nachzugehen. Leichter gesagt als getan. Selbst unser schwarzer Guide, von dem man es ja irgendwie erwartet, dass er die Elefanten findet, tat sich schwer. Klar, man kann natürlich nicht überall entlang fahren, somit ist das gar nicht so einfach. Vor allem nachdem alles relativ grün und zugewachsen ist. Nach etwa einer Stunde sind wir wieder an der gleichen Stelle rausgekommen, wo wir reingefahren sind. Die Elefanten waren immer noch am Horizont, nur ein kleines Stückchen weitergewandert. Also wieder rein in den Busch, diesmal haben wir andere Wege eingeschlagen. Teilweise war unser Fahrer dann ein wenig frustriert und ist querfeldein gefahren. Selbst ich meine, dass wir von der Orientierung her gar nicht mal so schlecht lagen. Aber von den Elefanten war weit und breit keine Spur. Nach geschlagenen zwei Stunden waren wir abermals an der Ausgangsposition. Diesmal waren auch die Elefanten nicht mehr zu sehen, einfach verschwunden. Sichtlich waren wir alle enttäuscht. Unsere Tour war eigentlich nur für 1,5 Stunden gebucht, jetzt haben wir schon 2 Stunden vergeblich Elefanten gesucht. Es ist ja nicht so, als hätten wir nichts gesehen. Zwischendurch sah man immer wieder Strausse, Giraffen, Zebras, Schakale, allerhand Antilopen und vieles mehr. Aber eben nicht die Elefanten. Kurz vor der Lodge blieben wir in einem Schlammloch stecken, das war die Krönung des Tages. Wenigstens haben wir zum Schluss drei Geparden und einen Leoparden gesehen. Jedoch waren die in einem größeren Gehege, weshalb das nicht wirklich zählt. In Zoo gehen kann ich zu Hause auch.

Einfach kein Glück an diesem Tag, was soll man da machen. Aber noch ist ja genügend Zeit …

Die nächsten Wochen stehen erstmal einige Seminare auf dem Programm.

Bis dann,


Frank

Auf Achse

Es ist Freitag am frühen Morgen, Wolfgang (mein Chef) erteilt mir die letzten Anweisungen für die nächsten Tage. Was mich genau erwarten wird, wusste ich selbst nicht. Soweit ich das aber mitbekommen habe, soll ich ein Ehepaar begleiten, das sich für Kinderhilfe in Namibia engagiert. Wie ich später herausfand, sind die beiden bei der Organisation Kiwanis aktiv. So weit, so gut.

Gegen Mittag haben wir dann das Auto abgeholt, mit dem ich die nächsten Tage meine Passagiere durch die Gegend kutschieren durfte. Um halb 3 habe ich das Ehepaar Katz am Flughafen abgeholt. Einzigst deren Gepäck kam nicht dem Flugzeug aus Johannesburg an, sollte dann aber mit der nächsten Maschine eintreffen. Währenddessen waren wir dann schnell in Windhoek und haben eine Kleinigkeit gegessen. Zurück am Flughafen gegen 16.30 Uhr fehlte vom Gepäck noch immer jede Spur. Laut Auskunft der Airline hätte man keine Ahnung, wo sich die Koffer zur Zeit befinden. Unglücklicherweise standen wir aber etwas unter Zeitdruck, da wir noch am selben Tag eine längere Strecke zur Farm Aberfelde zurücklegen mussten. So machten wir uns um 17.00 Uhr auf den Weg, etwa 320 km galt es zu bewältigen. Eigentlich nicht viel, allerdings wusste man ja nicht wie das Wetter wird und Fahren bei Nacht ist wegen dem Wildwechsel nicht ganz ungefährlich. Das erste Stück über Windhoek nach Okahandja lief einwandfrei. Auf dem Weg nach Otjiwarongo fuhren wir dann mitten in eine dicke Regenfront. Der Scheibenwischer war sichtbar überfordert. Zu meinem Glück ging die Straße zu 99% immer geradeaus. So hab ich wenigstens nicht im Schneckentempo fahren müssen, falls ich nur ungefähr die Straßenkonturen erkennen konnte. Keine Angst, alles unter Kontrolle *gg*! Schließlich hab ich uns sicher zur Farm gebracht. Zwar haben wir uns einmal ein kleines Stückchen verfahren, da wir eine Abzweigung nach einer Eisenbahnbrücke, nachdem es schon dunkel war, verpasst haben. Aber diese Pseudo-Eisenbahnbrücke war beim besten Willen Nachts nicht zu erkennen (Pseudo deswegen, weil unter dieser Brücke irgendsoeine Miniatur Eisebahnschiene verlief). Zum kulinarischen Einstieg und gleichzeitigem Ausklang des Abends servierte uns der Farmer Herr Gomoll einen 50cm langen Schaschlik-Spieß frisch vom Grill, zubereitet mit besten Wildfleisch (Kudu) von der Farm.

Am nächsten Tag machten wir uns in aller Früh auf den Weg zum etwa 120 km entfernten Waterberg, ein markanter Tafelberg. Dieser ist bekannt für die Schlacht der deutschen Schutztruppe gegen das Volk der Herero im Jahre 1904.

Am späten Nachmittag kehrten wir nach Aberfelde zurück. Eigentlich stand noch eine Farm Rundfahrt auf dem Tagesprogramm, doch eine Regenschauer hinderte uns daran. Die Zeit bis zum Abendmahl ging dann irgendwie vorbei. Auch diesmal gabs wieder reichlich zu Essen. Zum Einstieg eine Boerewors (eine aufgerollte Bratwurst). Als Nächstes ein Lammfleisch, auch sehr lecker. Und zum Abschluß nochmal Verschiedenes vom Kudu. Irgendwann musste ich kapitulieren, es ging einfach nichts mehr rein. So ging ich dann relativ früh schlafen.

Ein neuer Tag brach an, Sonntag, kurz nach Sonnenaufgang. Es war zwar etwas bewölkt, aber das Wetter war gut genug um auf die Farm rauszufahren. Mittlerweile traf auch das vermisste Gepäck auf der Farm ein, glücklicherweise unversehrt. Nach einem schnellen Frühstück fuhren wir dann mit dem Jeep los. Zusammen mit Herrn Friedel, Hobby Jäger und ein guter Freund des Farmbesitzers, war ich etwa 2 Stunden auf einem Jagdstand auf der Lauer nach Tieren. Bis auf ein paar Vögel und ein Erdmännchen war nichts zu sehen, schade. Wenigstens lief  auf der Fahrt immer wieder mal ein Kudu über den Weg. Leider waren die Tiere immer so vorsichtig dass ich kein Bild machen konnte. Um wenigstens nicht ganz leer auszugehen, fing ich mit meiner Kamera einen mächtigen Termitenhügel ein. Solche Termitenhügel findet man eigentlich fast überall in Namibia, oftmals mehrere Meter hoch. Gegen Mittag waren wir  von unserem kleinen Trip zurück. Die Zeit bis zum Essen nutzte ich, um ein wenig die Farm zu fotografieren, u.a. auch das Haustier, ein Pfau.

Dass es auch diesmal Fleisch gab, muss ich glaub nicht erwähnen. Schmackhaft zubereiteter Rinderschmorbraten bis zum satt werden, was braucht man mehr? Richtig, ein kühles Bier dazu. Außerdem ist Wolfgang an diesem Tag zu uns gestoßen, bisher war ich ja nur mit Frau und Herr Katz unterwegs. Am Nachmittag begaben wir uns mit zwei Autos auf den Weg zur Farm Sachsenheim. Herr Gomoll und Friedel, die sich u.a. bei Kinderhilfe Namibia engagieren, fuhren bei Wolfgang mit. Die rund 270 km liefen wie von selbst, das Wetter bereitete diesmal kaum Probleme. Nur in Tsumeb hatten wir einen kurzen Aufenthalt. Glück hatten wir auch, als vor uns ein LKW fuhr und wir im Moment nicht überholen konnten. War doch links im Gebüsch die Polizei mit der Radarfalle. Mein Vordermann legte nämlich ein gutes Tempo vor. Nur zur Info, erlaubt sind hier 120 auf den Straßen. (Auf den Asphaltstraßen natürlich; auf den Pads sollte man deutlich langsamer fahren)

Am Montag besuchten wir zunächst zwei Primary Schools, bei einer sollte ein Kindergarten übergeben werden. Wegen dem regnerischen Wetter in letzter Zeit ist das Gebäude aber leider nicht ganz fertig geworden. Die Anfahrt zu den beiden Schulen war relativ problemlos, nur ein paar Kilometer Sandstraße. Dabei begegneten uns immer wieder Schüler, die gerade auf den Weg zur Schule waren. Ein Fußmarsch von teils mehreren Stunden am Tag gehört hier zum Alltag.

Auf dem Weg zur nächsten Schule ging es dann irgendwann nicht mehr weiter, der Pfad war einfach unpassierbar. Der Regen hatte den Sandstraßen in den letzten Wochen sehr zugesetzt und die Gebiete waren stellenweise ziemlich überschwemmt. Und wie es das Schicksal so wollte, fuhr Wolfgang irgendwie einen Platten. Reifenwechsel im Busch, da packte selbst der Schulleiter mit an, den wir ein Stück mitgenommen haben. Die Schrauben waren aber so fest angezogen, dass wir zunächst mit dem Platten weiter gefahren sind. Im nahe gelegenen Ort kümmerte sich dann die örtliche Werkstatt um die Reifenpanne. Somit endete hier das offizielle Programm, alles war jetzt etwas durcheinander geraten. Die Schule sollte doch aber gespendete Güter erhalten. Kurzerhand haben wir diese dann 50 km weiter, nach Absprache mit dem Schulleiter, im nächsten Ort hinterlegt. Im Weiteren war jetzt unklar, ob wir noch den Besuch einer letzten Schule, eine Combined School, riskieren sollten. Laut einem Lehrer, der uns begleiten sollte, seien es nur etwa 7 km durch den Busch. Es waren aber eben 7 namibische Kilometer, am Ende zählten wir nämlich 25 km. Und die Strecke hatte es in sich. Ohne 4×4 ging hier gar nichts, die Wassersstellen war an manchen Abschnitten über einen halben Meter tief. Und ich war Fahrer, juhu! An einer Passage bin ich mit etwas zu viel Schwung rein und das Wasser schwappte voll über die Motorhaube. Das ging aber noch gut aus, hätte aber auch anders laufen können. Ansonsten hab ich das ganz gut gemeistert. Letztendlich war es ja auch ein Heidenspaß in der Pampa zu fahren. Und die ganze Tortour hatte sich auch gelohnt. Die Schule freute sich wahrlich über die Unterstützung. Als Dankeschön performte sogar die Tanzgruppe der Schule, einmalig sag ich euch! Ein erlebnisreicher und eindrucksvoller Tag ging zu Ende.

Dienstag stand ganz in Rahmen des Etosha National Park. Frühmorgens kamen wir am östlichen Eingang Namutoni an und hatten nun den ganzen Tag Zeit, um die etwa 140 km durch den Park entlang der Etoshapfanne bis nach Okaukuejo zurückzulegen, mit einem Stop in Halali. Schönstes Wetter hatten wir tagsüber. Das änderte aber nichts daran, dass leider einige Nebenwege gesperrt waren, eben wegen des vielen Regens. Dies hatte auch zur Folge, dass die Tiere manchen Wasserstellen fern blieben weil es überall ausreichend Wasser gibt. Trotzdem lief uns so einiges über den Weg, wenn wir auch Elefanten, Löwen und Nashörner vermissten. Jedoch hoffe ich, dass ich in der Trockenzeit mal die Gelegenheit habe, nochmals in den Etosha National Park zu fahren. Alles in allem ein schöner und sonniger Tag.

Mittwochs traten wir dann die Rückreise nach Windhoek an. Diesmal hatte ich schon wieder Glück. Vor mir ist einer in die Radarfalle gefahren und ich konnte noch rechtzeitig abbremsen. Die standen aber auch ziemlich fies, nach einer Kuppel die Straße abwärts. Da lässt man es gerne mal ein wenig laufen … Allgemein muss ich auch sagen, dass die Straßen hier zum schnell fahren verleiten. Meistens geht’s kilometerlang schnurstracks gerade aus, die Kurven sind meist sehr lang gezogen. Und seltsamerweise ist der Druckpunkt vom Gaspedal bei etwa 140 sehr angenehm. What shalls, bisher hab ich noch nicht zahlen müssen. Am Abend waren wir nochmal gemeinsam essen bei Joe’s Beerhouse. Als Schmankerl kam diesmal neben Chicken, Kudu & Co auch ein Stückchen Krokodil auf den Teller. An das Essen hier kann man sich wirklich gewöhnen.

Wie die Zeit vergeht, schon wieder Donnerstag. Nachdem ich meine beiden Begleiter wieder am Flughafen abgesetzt habe, sollte es eigentlich ein relativ ruhiger Tag werden. Abends hätte ich dann mal endlich Zeit um meine Fotos zu bearbeiten. Doch wie ich dann erfahren durfte, war für den nächsten Tag ein Seminar in Talismanis (im Gebiet des Herero Volkes) angesetzt. Das liegt in etwa 420 km östlich von Windhoek, nahe der Grenze zu Botswana, mitten im Nirgendwo.

Hier möchte ich noch kurz einschieben, welche Art von Seminaren die HSF anbietet. Generell dreht sich alles um management & leadership training. Auf Grund der anstehenden Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr liegt zur Zeit der Schwerpunkt bei der politischen Bildung. Jene Seminare können von allen Parteien völlig kostenfrei angefordert werden. Man will damit erreichen, politisches Verständnis und gewisse Fähigkeiten zu vermitteln. Aber nicht in etwa das Parteiprogramm einer Partei zu diskutieren. Sozusagen völlig neutral. Die Seminare bewegen sich eher auf niedrigem Niveau weil einfach die Grundlagen fehlen. In der Schule hatte man sowas nie gelernt, selbst die Verfassung kannte man bis dato nur vom Hörensagen.

Am selben Tag begab ich mich noch zusammen mit einem unserer Trainer Hans auf den Weg dorthin. Die Nacht verbrachten wir in der Zelda Lodge, bei der wir am nächsten Tag abgeholt wurden und über die 160 km Pad Straße bis nach Talismanis fegten.

Das Thema des Kurses an diesem Tag: Leadership training – Establishment of local party branches. Das beinhaltete auch einen kleinen Einstieg in die Grundlagen der Poltik, bspw. die Definition von Demokratie oder auch die SWOT analysis der eigenen Partei (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats). Dort angekommen, baute ich erstmal Notebook und Beamer auf und richtete noch verschiedene Unterlagen her. Ja, Strom gab es dort. Der war auch wichtig für die örtliche Dorf-Disse, aus der schon am Mittag laute, basslastige Musik tönte. Dort begegnete mir auch gleich der Dorftrottel, also außerhalb der Kneipe. Rein gegangen bin ich da nicht. Aber dazu gleich mehr. Auf alle Fälle sollte das Seminar gegen 9 Uhr beginnen, wegen ein paar Verzögerungen haben wir das auf 10 Uhr korrigiert. Die Bewohner interessierte das aber reichlich wenig. Immer wieder verschwanden ein paar und tauchten eine Weile später wieder auf. Bis um 12 Uhr trudelten so die Letzten ein. Der Gedanke lag nahe, dass einige wohl nur wegen dem Essen gekommen sind. Und nein, die waren keineswegs unterernährt, manchmal eher das Gegenteil. Bei einigen Teilnehmern hatte man auch den Eindruck, dass die nur Bahnhof verstanden haben. Damit meine ich jetzt die mitgeschleppten Buschleute, die Sklaven der Herero, die offensichtlich weder schreiben noch lesen können. So wie ich das richtig mitbekommen habe, lassen sich deren Stimmen bei Wahlen auch recht einfach mit einem Essen kaufen. Eine traurige Angelegenheit, wie ich finde. Jedenfalls war es dann bald Mittagszeit. Die Essen musste von der Partei selbst organisiert werden, die Kosten mit einem bestimmten Tagessatz übernahmen wir. Ich war dann noch kurz bei der Wirtschaft, welche für die Teilnehmer gekocht hat und habe nach dem Rechten gesehen. Das warme Fleischgericht sah wirklich ordentlich aus, da konnte man nicht meckern. Und als ich eben in der Wirtschaft war, lief mir dieser Typ, ich betone Typ, über den Weg. Halb verfaulte Zähne, modrige Kleidung, bestialischer Gestank und eine Alkoholfahne die schon von weit her roch. Dann fing er auch noch an, mich in einem einigermaßen verständlichen Englisch vollzujammern. „Iam supposed to …“, ja ja, er wäre ja so gerne ein Weißer und zeigte mit seinen Schmutzfingern auf meine Haare, „I should have …“! So ging das weiter bis er auch noch nach Geld für Zigaretten bettelte, nachdem ich meine zwei Coke bezahlt habe. Nichts dergleichen gab ich ihm. So spielt hier die Musik. Freitag Mittags schon rotzbesoffen. Das war aber wirklich nur die Ausnahme. Die meisten Leute hier sind nett und freundlich. Meist tragen auch alle saubere und ordentliche Kleidung, ganz egal ob im Busch oder in der Stadt. Nicht das hier noch ein falsches Bild entsteht. Ein Handy hat hier fast jeder, das mag man gar nicht glauben. Mitten im Busch kann man durchaus einen Shop für Prepaid Karten finden, meist nicht unweit von den Meter hohen gestapelten Bierkisten entfernt. (Als kleine Information am Rande: Telefonieren kostet etwa 15 Cent/min, eine SMS verschicken 3 Cent) Aber wie gesagt, das war nur der Dorftrottel so wie ich mir das hab sagen lassen. Der Kurs war dann gegen etwa 16 Uhr zu Ende. Einige scheinen wirklich was gelernt zu haben, das hat man doch deutlich gemerkt. Bevor die Teilnehmer mit reichlich Lesematerial nach Hause gehen durften, sollten sie noch einen Evaluierungs Bogen ausfüllen. Die Kommentare waren mal wieder typisch für die Hereros. Hatten die sich doch überwiegend über das Essen beschwert. Man solle doch mehr Geld dafür ausgeben, am Besten bar in die Hand! Über den eigentlichen Kurs fielen nur wenige Worte. Mir fehlt hier jederlei Verständnis, euch geht es bestimmt genauso. Nichtsdestotrotz ging ein wirklich interessanter Tag zu Ende, auch wenn man über manches noch Stunden später nachgrübelte. Gegen 23 Uhr waren wir dann nach einer langen Heimfahrt wieder zurück in Windhoek.

Gestern fand ein Weiteres Seminar für eine Partei direkt hier in Windhoek statt. Mit einem ähnlichen Thema, democracy in Namibia, aber einem höherem Niveau. Das lag zweifelsohne an den Teilnehmern. Mit einer regen Beteiligung am Kursgeschehen entwickelten sich lebhafte Diskussionen, ganz zur Freude des Trainer Dr. Hartmann. Man merkte doch deutlich, dass die Anwesenden Verständnis für die Materie hatten. Über das Essen meckerte diesmal kaum einer.

Zwei Tage, zwei unterschiedliche Kurse aber beide Male sehr interessant. Die Teilnehmer haben eine Menge Wissen mitgenommen, das ist keine Frage. Damit ihr euch das besser vorstellen könnt: Erinnert euch einfach an Sozialkunde Unterricht in der 9./10. Klasse. Im Prinzip war das nichts anderes. Ist auch kein Wunder, wenn all die Jungpolitiker das in der Schule nie gelernt haben.

Heute genieße ich meinen freien Tag und werde ausgiebig auf der faulen Haut liegen. Ein wenig Entspannung brauch ich schließlich auch.

Der nächste Bericht kommt bestimmt bald,

Frank

Die ersten Tage

Schon fast eine Woche ist seit meiner Ankunft am Flughafen Hosea Kutako, welcher in etwa 40 km östlich von Windhoek liegt, vergangen. Schon beim Anflug mit dem Airbus A330-200 war ich von der überwiegend grünen Landschaft überrascht, hätte ich doch wüstenartiges Terrain erwartet.

Das liegt aber an der noch bis ca. März/April andauernden Regenzeit. So blieb auch ich die letzten Tage nicht vom regnerischen Wetter verschont, mit Ausnahme von heute. Die Temperaturen sind trotzdem sehr angenehm, in etwa 25-30° tagsüber. Jedoch hab ich mir sagen lassen, dass es zur Zeit überdurchschnittlich viel regnet, schon seit Jahren wäre das in diesem Ausmaße nicht mehr der Fall gewesen. Sozusagen ganz zur Freude der Bevölkerung.

Beispielsweise gibt’s nur in der Regenzeit den Omajova, ein rießiger Speisepilz, der von Termiten kultiviert wird. Zubereitet als Sauce, dazu Semmelknödel, sehr lecker, kann ich nur weiterempfehlen. Allerdings bereiten die „Wassermassen“ auch kleinere Probleme. Neben örtlichen Überschwemmungen führen die meist ausgetrockneten Flussbette (Reviere) nun soviel Wasser, dass mancherorts die Straßen unpassierbar sind. Auch treten vermehrt Straßenschäden auf, überwiegend Schlaglöcher, sofern die Straßen asphaltiert sind. In der Regel sind das nur wichtige Verbindungsstraßen und in Orten/Städten. Ansonsten ist auf den üblichen Schotterstraßen (Pads) Vorsicht geboten, vor allem in Kurven.

Auf der Fahrt vom Flughafen nach Windhoek dann endlich die ersten wilden Tiere am Rande der Straße: Springböcke, Rinder, Paviane und Giraffen. Alle paar Kilometer eine Abzweigung zu vereinzelten Häusern/Hütten irgendwo abseits in der weiten Landschaft. Ansonsten recht monoton, aber schön. Angekommen in der Stadt fielen mir gleich die etwas höheren „Grundstückszäune/mauern“ auf, oftmals mit Stacheldraht oder einem elektrischen Zaun zusätzlich gesichert. Glücklicherweise war es zu meiner Unterkunft, in der ich die ersten 5 Nächte verbracht habe, nicht weit. So hab ich mich erstmal ein paar Stunden ausruhen können. Denn im Flugzeug habe ich nicht wirklich schlafen können. Entweder weil sich einer vor mir den Rotwein drübergeschüttet hat, neben mir ein Baby geschrien hat oder mich eine Turbulenz mitten über Afrika aus dem Halbschlaf gerissen hat. Sei’s drum. Am Nachmittag war ich dann halbwegs ausgeruht. Anschließend hab ich mich erstmal ein wenig mit meinem Nachbar in der Wohnung nebenan unterhalten, Ekkehard, ein Pensionär, ehemals in der Umweltbehörde in Schleswig-Holstein. Bevor es dann zu spät geworden wäre, hab ich mich dann noch auf den Weg in den nächsten Supermarkt gemacht. Ich musste mir ja noch unbedingt einen Stromadapter kaufen. Wieder in der Wohnung angekommen, stellte ich fest, dass der Stecker von meinem Notebook-Netzteil trotzdem nicht passt. Kurzerhand habe ich dann einfach mit einem Messer den Adapter zurecht gesägt. So war dann wenigstens die Stromversorgung fürs Wochenende gewährleistet. Glücklicherweise gab’s auch W-LAN, meine Rettung. Den Abend habe ich mit einer eisgekühlten Coke (aus der guten alten Dose!) und einem Film ausklingen lassen.

Die erste Nacht gut überstanden, habe ich mich erstmal ans Frühstückbuffet begeben. Neben den typischen Dingen die es auch bei uns gibt, probierte ich voller Neugier die verschiedenen Marmeladen. Vor allem Kiwi hat’s mir angetan, sehr lecker. Zum Mittagessen ging ich mit Ekkehard zum Restaurant um die Ecke. Ich gönnte mir ein Kudu Steak (eine Antilopen Art). Lediglich die Beilage, so ein süßer Brei, sah aus wie Kartoffelbrei, war nicht so ganz mein Geschmack. Hat echt komisch geschmeckt. Am Abend saßen wir dann zusammen mit Gudrun (die Besitzerin von „The Guest House“, meiner vorübergehenden Unterkunft) an der Bar. Neben dem Bier „Windhoek Lager“, welches nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird und auch wirklich gut schmeckt, flossen noch einige Flaschen von südafrikanischen Rotwein. Obwohl ich ja kein Liebhaber von Rotwein bin, der war seltsamerweise richtig  süffig. Schmeckt viel besser als das Gesöff aus Frankreich. Die 14% hat man kaum gemerkt, das nenn ich mal einen guten Wein. Und vor allem ohne Kopfweh am Tag danach, so muss es sein.

Am Montag war dann mein erster Arbeitstag, ganz in der Nähe vom Zentrum in Windhoek. Nachdem ich die ganze Mannschaft kennen gelernt und mich vorgestellt hatte, bin ich auch gleich mit meinem Chef zu einer schulischen Veranstaltung gefahren. Dort wurden die besten Schüler ausgezeichnet, mit Unterstützung der HSF. Den restlichen Tag über durfte ich noch bei Meetings mit verschiedenen Personen dabei sein. Und wie es sich eben so ergeben hat, gab’s wieder Bier und Wein zum Einschlafen. Dabei hat uns die Schwester von der Gudrun wieder einiges über Land und Leute erzählt, wie den Abend zuvor auch schon. Dienstags habe ich mich dann ein wenig im Praktikantenbüro umgesehen. Nachdem ich dann noch meinen eigenen Rechner bekommen habe, staunte ich nicht schlecht als die Adobe CS3 Master Collection installiert war. Ein wenig übertrieben, aber mir soll’s recht sein. Auf dem Abendprogramm stand diesmal Sport. Anschließend ging’s dann noch in eine Sportkneipe, das Fußball spielen war ja schließlich schweißtreibend.

Gestern habe ich dann die Praktikantin getroffen, Sabrina, die seit Oktober hier ist. Sie hat mir dann die grundlegenden Sachen gezeigt, was zu tun ist und mir auch meine Fragen beantworten können. Zusammen waren wir dann noch in der Stadt, beim Einkaufen und haben noch einen Abstich zu ihrer Wohnung gemacht, welche ich seit heute übernommen habe. Dabei durfte ich dann auch gleich die zwei Kampfhunde Hunde Oskar & Frida kennen lernen (Es sind doch keine Kampfhunde, sondern Ridgebacks. Die wurden einst zur Löwenjagd eingesetzt) . Allerdings hatten die beiden sich dermaßen gerauft, dass Frida zum Arzt musste. Sind aber auf jeden Fall ganz liebe Hunde, meistens jedenfalls. Zum Abschied von Sabrina waren wir dann noch in Joe’s Beerhouse. Neben einem kühlen Bier gab’s ein Zebra Steak, was wirklich sehr gut geschmeckt hat.

Heute musste ich dann meine Fahrkünste unter Beweis stellen. Linksverkehr, für mich was völlig Neues. Es ging aber relativ gut, auf der falschen Seite bin ich zumindest nicht gelandet. Lediglich ein paar mal verschalten hab ich mich. Das ist so ungewohnt wenn man mit Links als Rechtshänder schalten muss. Mit der Zeit ging’s dann aber immer besser. Letztendlich habe ich Sabrina sicher zum Flughafen gebracht. Die Strecke war heute richtig gut zum Fahren, bei schönstem Wetter. Ein paar Pavian Familien waren auch neben/auf der Straße unterwegs. Jetzt am Abend habe ich mich noch ein wenig eingerichtet in meiner neuen Wohnung für die nächsten 4 Monate.

Morgen geht’s dann für fünf Tage hoch in den Norden. Ich hoffe, dass ich mit vielen Fotos/Erlebnissen/Eindrücken wieder zurückkomme. Werde mich demnächst wieder melden!

Bis dann

Frank

P.S.: Die Bilder sind von der Wohnung in „The Guest House“, von der Neuen muss ich erst noch welche machen …